NEUROPATHISCHE SCHMERZEN
Grundsätzlich können Schmerzen auf zwei verschiedene Arten zustande kommen:
Noz izeptorschmerz: Hierunter
versteht man die Aufnahme einer körperlichen Störung oder Schädigung mit Hilfe
eines Rezeptors und Weiterleitung als
Schmerz
reiz über das Nervensystem zum
Gehirn. Ein Rezeptor ist eine Art „Empfangseinrichtung“ einer Zelle oder eines
Organs bzw. Systems. Er wird je nach der Art des zu registrierenden Reizes
als z.B. Chemo-, Thermo-, Baro- (=
den Blutdruck betreffender),
akustischer oder taktiler (= den
Tastsinn betreffender) Schmerzrezeptor bezeichnet.
Neuropathische Schmerzen (Nervenschmerz en): Bei dieser Schmerzart ist das schmerz leitende System selbst gestört oder geschädigt, es liegt sozusagen ein „Nerven eigenschmerz“ vor.
Neuropathische Schmerzen werden dem zentralen und peripheren Nervensystem zugeordnet. Sie sind dadurch gekennzeichnet , daß der Ursprung der Entstehung ein anderer ist, als das Gebiet, in dem die neuropathische n Schmerzen wahrgenommen wird. Daher spricht man auch von "fortgeleiteten" Schmerzen (H.-J. Willenbrink 1999).
Neuropathische Schmerzen können verschiedene Ursachen haben:
Mechanisch schädigende Einwirkungen (Traumen) auf den Nerv
Metabol ische (= stoffwechselbedingte) Störungen oder Schädigungen von efferenten (= vom Zentrum zur Oberfläche leitende) Nerven
Nervenschädigung oder Nervenstörung infolge einer Virusinfektion
Nervendurchtrennung z.B. im Rahmen von Amputationen
Zentrale (= das Rückenmark / Gehirn betreffende) Störungen oder Schädigungen
Nachstehend werden entsprechend der aufgeführten Ursachen typische Krankheiten beschrieben und Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt.
ad1:
Mechanische Schädigung:
Nach einer
Nervenverletzung kann es zu
einer
Kausalgie, neuerdings auch als
CRPS
Typ II (komplexes
regionales Schmerzsyndrom Typ II)
bezeichnet,
kommen.
Das Krankheitsbild ist charakterisiert durch einen qualvollen, glühenden
Brennschmerz der betroffenen
Gliedmaße, auslösbar oder verstärkt
schon durch leiseste
Berührung
((evtl. auch entfernter Körperstellen (Synästhesalg ie)),
durch optische oder akustische Reize, Trockenheit (Xerosalg ie), Wärme,
Affekte oder bloße Schmerzvorstellung (Sympsychalg ie).
Die Schmerzausbreitung ist unabhängig vom Innervationsgebiet
(= Versorgungsgebiet eines Ner ven),
erfolgt evtl. auch auf die gegenseitige
Gliedmaßen
(Alloparalg ie).
Meist bestehen ferner
Durchblutungsstörungen und Störungen der Hauttrophik
(= Ernährungs-/Wachstumszustand der Haut).
Im chronische n Stadium sind wiederholte
Blockaden
(= Betäubungen)
des betroffenen Nervs mit einem lang wirkenden Betäubungsmittel hilfreich,
optimal sind kontinuierliche Blockaden mit Katheter
(= eingepflanztem dünnen Kunststoffschlauch).
Letztgenannte Maßnahme sollte aber nur stationär (Schmerzkliniken) durchgeführt
werden.
ad2:
Auch bei der Polyneuropathie liegen chronische neuropathische Schmerzen vor. Diese werden durch metabol ische (=
stoffwechselbedingte) Störungen
oder Schädigungen verursacht.
In der Praxis dominieren mit je einem Drittel der Fälle die alkohol ische
und die diabet ische Genese
(= Entstehung) (Neundörfer
1988). In unklaren Fällen ist vor allem an exotoxische
(= von außen zugeführte Gifte betreffend)
Ursachen durch Medikamente (Vinca-Alkaloide, Nitrofurantoin u.a.m.) sowie
Gewerbegifte zu denken, daneben kommen endotoxische
(= Gifte die im Körper selbst entstehen)
(Porphyrie, Urämie) und evtl. infekt iöse Ursachen (Borreliose,
Ehrlichiose
nach
Zeckenbiß
bzw.
Zeckenstich) in Frage.
Die Patienten klagen über einen brennenden
Dauerschmerz im
Versorgungsgebiet peripherer (= mehr
oberflächlicher) Ner ven,
Parästhesien (= Fehlempfindungen),
Hyperästhesien
(= gesteigerte Empfindlichkeiten für Berührungsreize)
und
Hyperpathien (=
Überempfindlichkeiten gegenüber allen örtlichen Reizen mit erhöhter
Reizschwelle),
Druckschmerzhaftigkeit von Ner ven und
Muskeln
sowie evtl. über motorische
(= die Muskelfunktion betreffende)
Reizerscheinungen (Cram pi) (Gerstenbrand et Rumpl
1988). Charakteristisch sind socken- bzw.
hand
schuhförmige Sensibil itätsstörungen
(= Störungen der Empfindlichkeit).
Durch Polyneuropathie verursachte, chronische neuropathische Schmerzen werden in erster Linie kausal behandelt, also der Ursache entsprechend: bei Diabetes mellitus Optimierung der Zuckereinstellung, bei toxischer (= durch Gifte entstandene) Polyneuropathie Verzicht auf „Nervengifte“ wie z.B. Alkohol.
Symptomatische (= auf die
Krankheitszeichen ausgerichtete)
Therapie:
Thioctsäure (alpha-Liponsäure) führt zu einer Reaktivierung
des Multienzymkomplexes und möglicherweise zur Bindung diabetischer Ketone.
Neurotrope Vitamine (=
„Nervenvitamine“): Die mehr oder
weniger hochdosierte Verabreichung neurotroper Vitamine ist bei
Polyneuropathien
allgemein üblich. Leider führt diese Therapiemaßnahme in den wenigsten Fällen zu
einer Verbesserung.
Analgetika (=
Schmerzmittel):
Polyneuropathische Schmerzen sind in der Regel durch übliche Schmerzmittel
nur schwerlich günstig zu beeinflussen. Am ehesten ist noch ein Effekt von
zentral wirksamen Analgetika (=
Schmerzmittel die im Rückenmark / Gehirn wirken)
zu erwarten. Aus diesem Grunde ist es nicht möglich, ein sicher wirksames
Schmerzmedikament zu empfehlen.
Gegen neuropathische Schmerzen wirken am besten die sog. Antiepileptika (= eigentlich Mittel gegen die Fallsucht,
aber auch gegen neuropathische Schmerzen hilfreich). Als erste
Wahl gelten heute Gabapentin (z.B. Neurontin®) oder Pregabalin (Lyrica®), als 2. Wahl Carbamazepin (z.B.
Tegretal®).
Eine Kombination aus Metamizol (z.B. Novalgin®) und
Chinin soll relativ zuverlässig schmerzlindernd sein. Ein Gemisch aus Uridin-
und Dinatriumsalze (Keltican®) kann versucht werden.
Wiederholte Nervenblockaden: Die wiederholte Blockierung (Betäubung) der korrespondierenden Nervenleitungen mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) hat sich bei Nervenschmerzen sehr bewährt. Dabei kommt es neben der (erwünschten) Hemmung der Schmerzreizleitung gleichzeitig zu einer Blockade vegetativer (sympathischer) Faseranteile, woraus eine sehr deutliche Mehrdurchblutung im korrespondierenden Gewebebereich resultiert, die jedem entzündlich/degenerativen Prozeß nachhaltig entgegenwirkt. In diesem Sinne ist diese Behandlung z.B. bei Polyneuropathie nicht nur symptomatisch, sondern auch kurativ (= auf die Ursache ausgerichtet).
ad3:
Chronische,
neuropathische Schmerzen liegen auch bei der sog.
Postzosterneuralgie (postzosterische
Neuralgie,
postherpetische
Neuralgie)
vor, ausgelöst durch eine
Ner
venschädigung oder -störung infolge einer Virusinfektion.
Vorausgegangen ist die
Herpes zoster
-Erkrankung, eine neurodermale
(= Ner ven
und Haut betreffende)
Infektionskrankheit. Der Erreger ist der Her pes-Varizellen-Virus.
Der Name Zos ter kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Gürtel“ entsprechend der
gürtelförmigen Hautausbreitung am Körperstamm. Aus diesem Grund wird die
Krankheit auch als
Gürtelrose bezeichnet.
Der
Herpes zoster befällt
überwiegend die Nervensegmente der unteren
Brustwirbelsäule,
seltener den
Gesicht
s- bzw.
Kopf bereich
(Herpes zoster ophthalmicus,
Herpes zoster oticus).
Die
Herpes zoster-Erkrankung beginnt mit brennenden, juckenden
Nervenschmerzen im Bereich
der befallenen Nervensegmente und geht mit Sensibilitätsstörungen einher. Schon
die
Berührung der Haut im befallenen Bereich verursacht starke
Nervenschmerz
en
(eine sog. Allodynie). Einige Tage später bilden sich Hauterscheinungen wie rote
Flecken, Pusteln und Papeln aus. Diese sog. Effloreszenzen heilen in der Regel
nach 2 - 4 Wochen ab und normalerweise verschwinden dann auch die
Schmerzen
wieder.
Wenn die neuropathische Schmerzen die Hauterscheinungen der
Gürtelrose überdauern, meistens nach 4-6 Wochen, dann ist die Krankheit in eine
Zoster-Neuralgie ((postzosterische
Neuralgie
(PZN)) übergegangen.
Der Schmerzcharakter bei der postzosterischen
Neuralgie wird von den Patienten
uneinheitlich beschrieben: anhaltend tief drückend oder brennend, blitzartig
einschießend, stechend und brennend. Teilweise liegt auch eine Allodyn ie (= Schmerzauslösung durch an sich nicht
schmerzhafte Reize, z.B. Kleidung)
vor.
Die Behandlung ist schwierig und sollte deshalb dem erfahrenen Schmerztherapeuten überlassen werden. Ein Dauerschmerz, auch in Form von neuropathische n Schmerzen, erfordert praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren:
ad4:
Neuropathische Schmerzen können auch durch eine Ner vendurchtrennung z.B. im Rahmen einer
Amputat ion
(durch Operation oder Unfall) entstehen, sie werden dann als
Phantomschmerzen
(= Schmerzempfindungen in einem Körperteil, der gar nicht mehr vorhanden ist)
bezeichnet. Ein
Phantomschmerz tritt meist unmittelbar nach der
Amputat ion
auf.
Wir sehen jedoch immer wieder Fälle, bei denen sich
Phantomschmerzen
erst nach
Jahren, in Ausnahmefällen sogar erst nach Jahrzehnten, einstellten.
Die Angaben
zu Schmerzperiodizität und Schmerzqualität lassen kein einheitliches Muster
erkennen. Bei der Abfrage der Schmerzqualität dominieren Begriffe wie
"brennend", "schneidend" und "wie eingeklemmt". Überwiegend wird ein
attackenförmiger Schmerzverlauf angegeben, wobei die
Schmerzattacken minuten- bis
tagelang dauern können. Bei fast allen Patienten mit einem
Phantomschmerz liegt eine
klimatische Schmerzmodulation (=
Änderung des Schmerzzustandes) vor.
Bei Amputat ionen im Bereich der
unteren
Extremitäten
(= Beine)
stellen sich in der Regel später auch
behandlungsbedürftige Beschwerden an kontralateralen
(= gegenüberliegenden)
Gelenk
en und an der
Wirbelsäule
ein, bedingt durch unphysiologische (= unnatürliche)
Dauerbelastungen.
Gegen
Phantomschmerz
en wirken am ehesten die
sog. Antiepileptika (= eigentlich Mittel gegen die Fallsucht,
aber auch gegen diese Schmerzen hilfreich). Als erste
Wahl gelten heute Gabapentin (z.B. Neurontin®) oder Pregabalin (Lyrica®), als 2. Wahl Carbamazepin (z.B.
Tegretal®).
Hin und wieder ist auch ein Therapieversuch mit Baclofen
(z.B. Lioresal®) (= Mittel zur Muskel
entspannung)
erfolgreich.
Unterstützend (selten als einzige Therapie ausreichend) haben sich
schmerzdistanzierende Antidepressiva
(= Mittel gegen Depressionen, aber auch bei
neuropa
thischen Sch
merzen hilfreich)
sehr bewährt. Wir bevorzugen Maprotilin (z.B. Ludiomil®) und Doxepin
(z.B. Aponal®).
Oftmals ist die
therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
in Form von häufig
wiederholten
Nerven - und Leitungsbetäubungen sehr hilfreich.
Daß
Phantomschmerzen
tatsächlich im betroffenen Nerv entstehen und nicht im zentralen Nervensystem,
ist inzwischen wissenschaftlich erwiesen
(Quelle siehe weiter unten).
ad5:
Des weiteren können neuropathische
Schmerzen durch zent rale
(= das Rückenmark / Gehirn betreffende)
Störungen oder Schädigungen entstehen, so z.B. in Folge einer
Querschnittslähmung.
Über den
Mechanismus der Schmerzentstehung nach einer
Querschnittlähmung ist
wenig bekannt. Nach Thoden (1987) klagen 50% aller Patienten mit
verletzungsbedingten
Querschnittsläsion
en über störende Mißempfindungen
unterhalb der Verletzungsstelle. Immerhin 27% leiden unter Sch
merzen,
vorwiegend im Bereich der
Bein
e. Teilweise treten auch krampfartige,
viszerale Schmerzen
(=
Eingeweideschmerzen) im
Bauchraum
auf. Auch vom Verletzungssegment selbst können
Schmerzen ausgehen, die oft auf eine Instabilität zurückzuführen sind. Diese
Instabilität kann chirurgisch behoben werden.
Der Schmerzzustand nach einem
kompletten
Querschnitt wird auch als
Deafferenzierungsschmerz
bezeichnet.
Neuropathische
Schmerzen bei einer
Paraplegie
(= Lähmung der Be ine) können i.d.R.
gut mit der periduralen (= rückenmarknahe) Blockade
mit Katheter (= dünner
Kunststoffschlauch) behandelt werden.
Die Einpflanzung des Katheters muß jedoch oberhalb des geschädigten Segments
erfolgen.
Bei Tet raplegie
(= Lähmung
der Be ine und
Arme) bedarf die
kontinuierliche Per iduralblockade oberhalb des geschädigten Segments wegen des
erhöhten Risikos einer strengen Indikationsstellung
(= Abwägung von Nutzen und Risiko).
Medikamentös können gegen diese neuropathische Schmerzen Carbamazepin oder Gabapentin
bzw. Pregabalin (Lyrica®)(=
eigentlich Mittel gegen die Fallsucht, aber auch gegen
diese Schm
erzen wirksam),
Baclofen und schmerzdistanzierende
Antidepressiva sowie
Neuroleptika
(= Mittel das auf die Psyche wirkt)
versucht werden.
Gegen die unangenehme Spastik wirkt am besten Baclofen (z.B.
Lioresal®). Falls bei oraler (=
Tabletten-) Gabe die Nebenwirkungen
zu stark werden, kann die rückenmarknahe Verabreichung mittels eingepflanzter
Pumpe (oder Port) in Erwägung gezogen werden. Mittel der 2. Wahl ist Sirdalud.
Chronische,
neuropathische Schmerzen
liegen auch beim sog.
Thalamusschmerz vor. Dabei handelt es sich um ein sog.
zentrales Schmerzsyndrom
(= das Gehirn betreffendes ..), ausgelöst durch Störungen oder Schädigungen in
schmerzkontrollierenden Arealen des zentralen Nervensystems (Thala mus).
Hauptursache ist ein
Schlaganfall (Gehirnschlag,
apoplektischer Insult). Die
betroffenen Patienten klagen in der Regel über heftige
Sch
merzen in der
herdgekreuzten Körperhälfte (Hemialgesie). Die vorzugsweise brennenden
Dauerschmerzen können sich attackenartig verstärken. Teilweise liegt eine Allodyn ie(= Schmerzauslösung durch an
sich nicht schmerzhafte Reize) vor.
Fast regelmäßig besteht eine Hyperäs thesie
(= gesteigerte
Empfindlichkeit) oder
auch Hyperpat hie
(= verzögerte Reizantwort, die Schmerzen
halten über
Reizzeit hinaus an bei insgesamt erhöhter Reizschwelle).
Bei der neurologischen Untersuchung
findet sich eine
Hemiparese
(=
Halbseitenlähmung) mit
meist guter Rückbildungstendenz. Motorische (= die
Muskelkraft betreffende) Störungen (Chorea (= sog.
Veitstanz), Athetose (= Haltungs-, Tonus- u. Bewegungsstörung)) kommen vor,
ebenso die sogenannte Thala mushand nach Poeck (die Finger sind im
Grundgelenk gebeugt und in den Interphalangealgelenken (=
Mittelgelenken) überstreckt, sie zeigen eine Bewegungsunruhe; die
Fehlstellung gleicht sich beim Auflegen der
Hand auf eine feste Unterlage aus)
und eine meist gering ausgeprägte Ataxie (= funktionelle
Störung der Bewegungsabläufe).
Der Nachweis der den
Thalamusschmerzen zugrunde liegenden
Störung oder Schädigung ist durch Computertomographie, Angiographie
(= Gefäßdarstellung mit Röntgenstrahlen)
und Kernspintomographie möglich.
Die Behandlung dieser neuropathische n Schmerzen
ist selbst für den
erfahrenen Schmerztherapeuten eine große Herausforderung.
Medikamentös kann wie bei anderen neuropathische n
Schmerzen Carbamazepin (z.B. Tegretal®) (= ein
Mittel gegen die Fallsucht, aber auch gegen
diese Sch
merzen wirksam)
in aufsteigender Dosierung bis zu 1500mg /Tag versucht werden (Swerdlow
1984). Gabapentin (z.B. Neurontin®) oder Pregabalin (Lyrica®)
wirken oft besser, sind aber auch deutlich teurer. Phenytoin (z.B. Epanutin®) soll ebenfalls schmerzlindernd sein (Cantor
1972). Teilweise sahen wir auch mit Baclofen (z.B. Lioresal®)
(= ein im
Rücken
mark / Gehirn wirkendes Mittel zur Muskelentspannung)
eine günstige Wirkung. Ansonsten bleibt oft nur die Verschreibung von
Opiaten.
Teilweise können aber mit der therapeutischen
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel)
beachtliche Erfolge erzielt werden. Nach Austestung mittels diagnostischer
Blockaden (Betäubungen) werden im Extremität enbereich
(= Ar me und Be ine)
wiederholte Ple xus
brachial is-, N. femoral is- und/oder
Ischias
blockaden
durchgeführt, oft sind sie längerfristig nur in der kontinuierlichen Form mit
Katheter (= eingepflanztem dünnem Kunststoffschlauch)
erfolgreich.
Bei Mitbeteiligung des Gesichtes kommen wiederholte Blockaden der
betroffenen Trigeminusäste in Frage.
Angesichts eines "zentralen Schmerzes"
(= Schmerzen, die im Rückenmark / Gehirn
entstehen) erscheint die Durchführung
von
Nervenblockaden zugegebenermaßen paradox. Wir haben jedoch festgestellt, daß
bei ca. 40-50% der betroffenen Patienten diese Therapie tatsächlich anspricht
und zu einer Schmerzlinderung führt. Möglicherweise wird durch die zentrale
Läsion (= Störung/Schädigung)
teilweise ein peripheres (= mehr
oberflächliches)
Schmerzsyndrom
herbeigeführt, vielleicht indem neurobiologische Mechanismen der Perzeption
(= Empfindung,Wahrnehmung) durch das
efferente sympat hische System (=
weggeleitete Erregungen im unwillkürlichen Nervensystem)
mehr oder weniger ausgeprägt aktiviert werden. Für eine Beteiligung des
sympathischen Systems sprechen auch die Berichte von Loh et al. (1980)
und Nathan (1980), wonach Schmerzen in Ar me und
Be ine
nach einer
Störung/Schädigung des Zentralnervensystems
(= Rückenmark und Gehirn)
durch
Sympathikusblockaden
(=
Betäubungen des unwillkürlichen Nervensystems)
beseitigt oder gelindert werden können. Da die
Nervenstämme ((besonders Ple xus
brachial is (= Nervengeflecht des Armes)) auch
vegetative, sympat hische Fasern mit sich führen, kann eine solche Wirkung
postuliert werden.
In diesem Zusammenhang ist folgende Nachricht
interessant, denn bisher ging man auch bei diesem
Schmerz von einer
zentralen (= im Gehirn oder Rückenmark)
Schmerzentstehung aus:
http://www.wissenschaft.de/wissen/news/266039.html).
Wenn neuropathische Schmerzen längerfristig bestehen, ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
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